Der Portwein-Erbe von Paul Grote
Dieses Buch wurde vom Lesekreis Allensbach für den Monat Juli 26 ausgewählt. Ich habe mir darunter ein Kriminalroman alla "Lost in Fuesa" oder "mein Jahr in der Provence", vorgestellt. Schöne Bilder, witzige Menschen, eine Liebesgeschichte. Ja war sicherlich auch drin, aber dazwischen sehr, sehr viel Önologie. Also Weinwissen. Rauf und runter. Meine Weinkenntnisse beschränken sich auf "schmeckt mir" oder "nein danke". Also Weine aus dem Rioja mag ich. Weintrauben Tempranillo, Grauburgunder, wahlweise auch Pino Grigio, ist lecker und immer eine gute Wahl.
Jetzt hätte ich im Buch natürlich dazu lernen können, alles über portugiesischen Wein und die Portwein-Herstellung, Problematik der Weinherstellung, insbesondere auf Weingütern. Hätte. Hat mich aber eher etwas gelangweilt. Auf Seite 211 gabs noch immer keinen Mörder, nur Anschläge auf den potentiellen Erben. Der ging mir auch auf den Keks. Kommt aus einer sehr reichen Frankfurter Baulöwendynastie, würde da schon erben, dass die Heide wackelt. Will der Nikolau aber nicht. Hat da seine Grundsätze.
Jetzt erbt er ein Millionenvermögen seines Onkels, der sich von der Familie losgesagt hat und zunächst als Hippie, dann als Widerstandskämpfer bei der sogenannten Nelkenrevolution von 1974 in Portugal mitgemischt hat. Wie er nun an diese ganzen Weinberge gekommen ist? Hat sich mir nicht erschlossen. Jedenfalls war der Onkel tot. Der Neffe sollte alles erben, wenn er das Gut weiter bewirtschaft, dazu musste er sehr viel lesen und portugiesisch lernen. Ging alles flott. Er musste auch zwischen Freund und Feind unterscheiden lernen, das war schwieriger. Im Testament wurde verfügt, dass entweder Nikolau alles bekommt oder die Mitarbeiter, wenn er nicht will. Klar, dass das Stress gab. Mehrfach entkam er dem Tode.
Zwischendurch hat er sich auch noch in eine Reiseleiterin verliebt und war nicht Manns genug, das seiner Berliner Freundin Sylvia zu beichten. Was nicht schlimm war, da diese auch mit einem Anderen getändelt hat. Ja sonst ist nicht viel passiert. Der Onkel wurde auch ermordet. Diese Auflösung war dann ganz interessant. Sonst gab es viele böse Menschen, die auch früher schon sehr böse waren.
Mir hat das Buch nicht so gefallen, habe mich irgendwie bis zum Ende durchgebissen, war ja Leseaufgabe. Für Menschen, die sich für Wein und Portwein interessieren, und ggf. auch nach Portugal reisen und sich mit der portugiesischen Geschichte auskennen ist das schon was. Da will ich jetzt mal nicht so sein.